Der Wiederaufbau nimmt Fahrt auf
Direkt nach der Gründung startete der Wohnungsbau aus purer Notwendigkeit. Die ersten Projekte fielen in eine Zeit enormer Herausforderungen, doch mit Tatkraft und Improvisationstalent gelang der Start in eine neue Ära des Wohnens.
Die Anfangsjahre der GWG waren von einer dramatischen Ausgangslage geprägt. Während weite Teile der Stadt noch in Trümmern lagen, schuf die GWG erstmals die notwendige Struktur, um den Wiederaufbau gezielt zu steuern. Die ersten Bauprojekte waren mehr als nur Mauern: Sie symbolisierten Hoffnung und das Versprechen auf einen Neubeginn. Reutlingen wuchs in der Folge rasant – von 38.500 Einwohnern im Jahr 1949 auf rund 78.000 im Jahr 1977. Beeindruckende 72 Prozent der gesamten Wohnungsproduktion der Nachkriegszeit entstanden unter Beteiligung der GWG. Dabei wurden die Mieten bewusst niedrig gehalten; rund ein Drittel aller preisgünstigen Wohnungen entfiel auf die Gesellschaft. Bemerkenswert ist, dass Reutlingen damals sogar mehr Wohnungen baute, als durch öffentliche Fördermittel vorgesehen waren. Als aktives Instrument städtischer Politik verfolgte die GWG zwei Ziele: den gesetzlichen Auftrag zur Wohnraumschaffung und die städtebauliche Verantwortung durch enge Kooperation mit Stadtplanung und Gemeinderat. Das erste Großprojekt dieser Ära war die Römerschanze. Dort entstanden 1.013 schlüsselfertige Reihenhäuser. Ergänzend schuf die GWG eine komplette Infrastruktur – von Kindergärten und Schulen über Kirchen und Läden bis hin zu einem eigenen Kino. Im Juli tauchen wir tiefer in die Stadt- und Umlandsentwicklung Reutlingens ein.